Der Samojede

Unter den nordischen Hunderassen ist der Samojede deutlich bekannter und weiter verbreitet als der Deutsche Großspitz. Insbesondere weiße Großspitze werden aufgrund ihres Erscheinungsbildes häufig mit Samojeden verwechselt. Mit seinem charakteristischen „Lächeln“ („Sammy Smile“) und dem dichten, hellen Haarkleid zählt der Samojede zu den markantesten Vertretern der nordischen Hunde. Dieser Beitrag beleuchtet die Entwicklungsgeschichte der Rasse und zeigt, welche historischen, funktionalen und züchterischen Einflüsse zu ihrer heutigen Popularität beigetragen haben.

Der große Schlitten- und Arbeitshund aus Sibirien

Rassebeschreibung des Samojeden

Der Samojede ist eine von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) anerkannte Rasse und wird der Gruppe 5 „Spitze und Hunde vom Urtyp“, Sektion 1 „Nordische Schlittenhunde“, zugeordnet. Die offizielle Anerkennung in Europa erfolgte 1913. Die Rasse basiert jedoch auf deutlich älteren Gebrauchshunden, die über Jahrtausende hinweg in enger Zusammenarbeit mit den Völkern Nord- und Westsibiriens lebten: Auf der sogenannten „Herding Laika“ der Nenzen, auf dessen historische Bedeutung später noch eingegangen wird.

Das typische Samojeden Lächeln
Ein stets offener und freundlicher Ausdruck

Das typische Samojedenlächeln

Der Samojede präsentiert sich als mittelgroßer, ausdrucksstarker Hund mit einem markanten, „lächelnden“ Gesichtsausdruck. Dieser entsteht durch leicht nach oben gezogene Lefzen und mandelförmige Augen und verleiht dem Hund einen offenen und zugänglichen Ausdruck. Der Körperbau ist kräftig und gut bemuskelt, dabei jedoch harmonisch proportioniert und bewegungsfreudig. Seine flüssigen, raumgreifenden Bewegungen spiegeln die ursprüngliche Ausdauerleistung als Arbeitshund wider.

Charakteristisch ist das üppige doppellagige Haarkleid, das überwiegend in Weiß- bis Cremetönen vorkommt und dem Hund eine voluminöse, fast wolkenartige Silhouette verleiht. Mit einer Widerristhöhe von bis zu etwa 57 cm und einem Gewicht von rund 30 kg gehört der Samojede zu den mittelgroßen nordischen Spitztypen.

zwei Samojeden in ihrem Lieblingselement Schnee
Samojede in der Sommertracht

Wesen und Veranlagung

Im Wesen zeigt sich der Samojede als stark menschenbezogener, sozial orientierter und vielseitig einsetzbarer Begleithund. Seine kooperative Arbeitsbereitschaft, kombiniert mit hoher Ausdauer und Bewegungsfreude, macht ihn zu einem geeigneten Partner für sportliche Aktivitäten, Zughundesport oder ausgedehnte Outdoor-Unternehmungen.

Trotz seiner ursprünglichen Nutzung als Wach- und Arbeitshund ist der Samojede nur eingeschränkt als klassischer Wachhund geeignet, da seine Offenheit gegenüber Menschen meist überwiegt. Er verfügt über eine ausgeprägte Sensibilität gegenüber den Stimmungen seiner Bezugspersonen und spricht besonders gut auf positive Motivation und partnerschaftliche Zusammenarbeit an. Fehlende körperliche und geistige Auslastung kann jedoch zu unerwünschtem Verhalten führen.

Die historische Entwicklung der Rasse

Ursprung bei den samojedischen Völkern Sibiriens

Die Bezeichnung „Samojede“ geht auf die samojedischen Völker zurück – eine Gruppe indigener Ethnien Nord- und Zentralsibiriens, deren Sprachen zur samojedischen Untergruppe der uralischen Sprachfamilie gehören. Zu diesen Völkern zählen insbesondere die Nenzen, Enzen, Nganasanen und Selkupen, deren traditionelle Lebensräume sich über die Tundra- und Waldgebiete Nordwestrusslands sowie Teile West- und Zentralsibiriens erstrecken.

 Illustration von C. Mützel der samojedischen Völker (1907)

Die größte Gruppe bilden die Nenzen, die bis heute überwiegend als Rentierhirten leben. Ihre nomadische Lebensweise erforderte robuste und vielseitig einsetzbare Hunde, die nicht nur beim Hüten der Rentierherden halfen, sondern auch Schutzaufgaben übernahmen und als Transporttiere dienten.

Nenet Familie mit Herding Laika (1913)
Das Land von Herrn Vostrotin – sein Empfang durch die Einheimischen am Strand 1913

Historisch existierten weitere kleinere samojedische Stämme, deren kulturelle Eigenständigkeit und Sprachen im Laufe der Zeit weitgehend verloren gingen. Heute leben viele Angehörige dieser Völker sesshaft und sind in die russischsprachige Mehrheitsgesellschaft integriert, während einzelne traditionelle Lebensformen weiterhin bestehen.

Verbreitungsgebiete der samojedischen Völker

Ursprung der heutigen Samojeden

1905

Man nimmt an, dass der ursprüngliche Samojede über mehrere Tausend Jahre hinweg Begleiter dieser samojedischen Völker war: der Nenzen, Enzen und Nganassan. Für ihre tägliche Arbeit begleiteten sie Hunde, die zum Rentierhüten selektiert wurden: Herding Laika (auch Hüte-Laika, Mehrzahl Laiki), wobei der Begriff Laika aus dem russischen kommt und so viel wie „die Bellende“ oder „der Beller“ heißt, also ein Universalwort für Hund. Herding Laiki waren also überwiegend für die Rentiere zum Hüten und Bewachen eingesetzt worden, während sie mit ihrem Volk stets umherzogen, damit die Rentiere genug Nahrung bekamen. Herding Laika ist heute eher ein Überbegriff als eine Rasse. Daneben wurden diese Hunde auch als Jagdhunde genutzt, aber sie waren weit weniger geschickt durch das lange Fell und weniger gut geeignet. 2

Samojeden-Laika (ca 1926)
Samojeden-Laika (ca 1926)

Wie bereits von der russischen Kynologin Maria G. Dmitrieva-Sulima im frühen 20. Jahrhundert beschrieben, existierte nie eine einheitliche „sibirische Laika“. Vielmehr entwickelten sich mehrere lokale Varietäten, die sich sowohl äußerlich als auch in ihren Arbeitseigenschaften unterschieden. Diese Vielfalt bildete die genetische Grundlage für mehrere heutige nordische Hunderassen, darunter auch den Samojeden.

Polarexpeditionen als Wegbereiter der Rasseverbreitung

Im späten 19. Jahrhundert rückten nordische Schlittenhunde durch die zunehmende europäische Arktisforschung in den Fokus westlicher Entdecker. Besonders Expeditionen in die Polarregionen machten die Leistungsfähigkeit dieser Hunde international bekannt und trugen maßgeblich zur späteren Rasseentwicklung bei.

Im 19. Jahrhundert wurden Unternehmungen zum Nordpol gestartet. Nachdem der Engländer William Edward Parry, der 1827 seine Expedition nicht bis zum Nordpol schaffte, startete der Norweger Fridtjof Nansen eine aufwendig geplante Expedition. Die folgende Fotografie wurde am 14. März 1895 aufgenommen. Im Hintergrund ist die Fram zu sehen, im Vordergrund die Vorbereitungen für die Schlittenreise zum Nordpol. 3

Vor der „Fram-Expedition“ das Gespann mit Herding Laiki (1895)

Fridtjof Nansen nahm im Frühjahr 1895 auf seiner Fram-Expedition einen Hundeschlittenzug mit etwa 28 Hunden mit, als sie von der Fram aufbrachen, um den Nordpol mit Skiern und Schlitten zu erreichen.

In Betreff der Hunde hörten wir, daß alles in schönster Ordnung sei. Trontheim hatte zur größern Sicherheit vierzig Hunde gekauft, obschon ich nur um dreißig gebeten hatte. Fünf von ihnen waren auf der Reise infolge verschiedener Unglücksfälle verendet; einer war todt gebissen, ein Paar waren festgehakt und während der Fahrt durch den Wald zu Tode geschleift worden u. s. w. Einer war außerdem vor einigen Tagen krank geworden und noch nicht wieder hergestellt; aber die übrigen 34 lebten und waren guter Dinge; wir konnten sie am Land heulen und bellen hören.

Hundelager auf dem Eis

Mehrere sahen aus wie reine Rassenhunde, langhaarig, blendend weiß mit aufrecht stehenden Ohren und spitzer Schnauze. Mit ihren sanften, gutmüthigen Gesichtern schmeichelten sie sich sofort in unsere Gunst ein. Andere waren mehr Füchsen ähnlich, mit kürzerem Haar; einige waren schwarz oder gefleckt. Es waren augenscheinlich mehrere Arten darunter, und einige verriethen durch ihre herabhängenden Ohren einen starken Zusatz von europäischem Blut.

Die Bedingungen für die Expedition waren extrem schwierig, Nahrung wurde knapp und das Gelände sehr unwegsam, sodass sie bald begannen, die schwächeren Hunde zu opfern, um die stärkeren zu füttern und menschliche Nahrung zu sparen.
Im weiteren Verlauf der über 462 Tage dauernden Unternehmung sowie auf dem langen Rückweg Richtung Franz-Josef-Land wurden schließlich alle 28 Hunde getötet und zum Teil verspeist. Die Gruppe schaffte die Rückkehr nur knapp, dank eines Aufeinandertreffens mit einer anderen Expeditionsgruppe von britische Entdecker Frederick Jackson. Das Ziel, den geographischen Nordpol zu erreichen, gelang ihnen nicht.

Das Treffen zwischen Nansen und Jackson in Cape Flora, am 17. Juni 1896 (gestellte Fotografie, aufgenommen Stunden nach dem Treffen)

Die Hunde der Jackson-Harmsworth-Expedition 1894-1897

Die Jackson-Harmsworth-Expedition (1894–1897) war eine britische Arktisexpedition unter der Leitung des Forschers Frederick George Jackson und finanziert vom Verleger Alfred Harmsworth. Ziel war die Erforschung des Franz-Josef-Lands im Arktischen Ozean. Die Expedition errichtete eine feste Basisstation und führte über mehrere Jahre systematische Kartierungen, Wetterbeobachtungen und geografische Erkundungen durch. Für Transport und Überleben spielten nordische Schlittenhunde vom samojedischen Typ eine wichtige Rolle: Sie wurden für lange Schlittenreisen eingesetzt und galten als besonders ausdauernd, kälteresistent und führig. Bekannt wurde die Expedition auch dadurch, dass Jackson dort 1896 (wie zuvor beschrieben) zufällig auf den norwegischen Polarforscher Fridtjof Nansen traf, der sich auf dem Rückweg von seinem eigenen Nordpol-Versuch befand.

Auf dem folgenden Bild zu sehen bei Jackson: Sally, Nimrod and Ràwing. Rechts, bei Armitage:Sammie

 Jackson und Armitage auf Franz-Josef-Land (1899)

Bedeutend sind die Hündinnen Jenny, Gladys und Flo sowie Yugor und Kvik; und die Rüden Nimrod, Bardog und Jacko.
Jacko, Gladys und Flo zählen nicht zu den Stammhunden im Sinne dieser Studie, da sie nachweislich miteinander verwandt sind. Jacko stammt von Nimrod × Jenny ab, Gladys von Bardog × Jenny und Flo von Nimrod × Gladys. Bardog überlebte die Expedition nicht, wird aber dennoch derselben Linie zugeordnet.

Entwicklung des Rassestandards

Ernest Kilburn-Scott (1868 – 1941)

Der Brite Ernest Kilburn-Scott brachte 1889 erste Exemplare nach England und gilt als Begründer der Samojedenzucht. Er lebte drei Monate bei den samojedischen Stämmen. Bei seiner Rückkehr nach England brachte er einen braunen Welpen namens „Sabarka“ (Sobaka ist russisch für Hund) mit. Seine Fellfarbe wurde als „deep biscuit“ also dunkles Biskuitbraun beschrieben, welches oft auf den Fotos noch dunkler wirkt. Der Rüde „Sabarka“ stammte aus der Gegend um Archangelsk.

Sabarka

Später importierte Kilburn-Scott eine cremefarbene Hündin namens „Whitey Pechora“ aus dem westlichen Ural und einen schneeweißen Rüden namens „Musti“ aus Sibirien. Aus diesen Tieren entwickelte sich die Samojeden-Population in den westlichen Ländern.

Links: Ernest Kilburn-Scott mit Sabarka, Mitte: Whitey Petchora, Rechts: Musti

Einer der außergewöhnlichsten Hunde, die Ernest Kilburn-Scott von Australien nach England mitbrachte, war der Rüde „Antarctic Buck“. Er ist einer der überlebenden Hunde von Carsten Borchgrevinks Expedition zum Südpol und lebte im Zoo von Sydney, Australien. Er wurde 1899 geboren und hatte eine Größe von 54 cm.

Antarctic Buck
Antarctic Buck

Als Spezialist auf dem damals noch jungen und technisch anspruchsvollen Gebiet der Elektrotechnik unternahm Ernest Kilburn-Scott zahlreiche Auslandsreisen, die ihm sowohl internationale Kontakte als auch die finanziellen Möglichkeiten eröffneten, mehrere Samojeden nach England zu importieren und mit dem Aufbau einer planmäßigen Zucht zu beginnen. Im Jahr 1899 erwarben die Kilburn-Scotts acht Hunde von Frederick George Jackson, der diese Tiere zuvor während seiner Expedition nach Franz-Josef-Land eingesetzt hatte.

Die ersten Nachkommen englischer Samojeden ca. 1905

Weitere relevante Hunde für den Zuchtstamm

Kvik (weiblich): Es gibt unter diesem Namen zwei Hündinnen. Eine war der Lieblingshund von Fridtjof Nansen, welche während der Expedition zweimal Welpen bekam. Leider überlebten keine Hunde der Fram-Expedition.
Die Hündin mit dem Namen Kvik, die im Stammbaum der heutigen Samojeden ist, wurde 1896 an Bord der Windward auf dem Weg nach Franz-Josef-Land geboren und gehörte Dr. Koetlitz, dem Schiffsarzt der Jackson-Harmsworth-Expedition. 

Perlene (weiblich): Eltern: Russ x Kvik

Houdin 1915

Houdin (männlich): Stammte von der Expedition des italienischen Prinz Luigi Amedeo 1873-1933 (auch Duke of Abruzzis oder Herzog der Abruzzen). Er hatte u. a. Nachkommen mit Olgalene, Pearlene und Kvik.

Nansen (männlich): geboren 1901, Schulterhöhe 53 cm, Eltern: Musti x Whitey Petchora

Russ (männlich): Stammte wie Houdin von der Expedition des italienischen Prinz Luigi Amedeo 1873-1933 (auch Duke of Abruzzis oder Herzog der Abruzzen).

Peter the Great (männlich): Sohn von Sabarka x Whitey Petchora. Von ihm ist nur sein schwarzer Sohn Pedro bekannt.

Pedro – Sohn von „Peter the Great“
Samojede „Polar Light“ 1926
Ernest Kilburn-Scott mit „Polar Light“

Polar Light (männlich), auch „Gilston Polar Light“. Er ist der Nachkomme von Olgalene x Jacko. Seine Großeltern sind Nimrod x Jenny und Musti x Whitey Petchora. Er hat einige Nachkommen.
 

Rassestandard nach Scott und Jackson

In enger Zusammenarbeit mit Jackson entwickelte Kilburn-Scott die Grundlagen eines einheitlichen Zuchtziels. Daraus entstand 1909 der erste offizielle Rassestandard sowie die Gründung des Samoyede Club in England, dessen Schreibweise später zu „Samoyed Club“ vereinfacht wurde. Bis zur Anerkennung der Rasse durch den englischen Kennel Club im Jahr 1912 befanden sich bereits rund 50 Samojeden im Besitz der Kilburn-Scotts, die ihre Hunde sowohl an private Halter als auch an weitere Polarexpeditionen vermittelten und damit wesentlich zur Verbreitung der Rasse beitrugen.

Der frühe Rassestandard beschrieb zwei unterschiedliche Erscheinungstypen innerhalb der Rasse. Zum einen wurde ein etwas hochläufiger, dennoch stabil gebauter Typ mit vorwiegend schneeweißem Haarkleid beschrieben. Daneben existierte ein kompakterer, sogenannter „bärenhafter“ Typ, der sich durch kleinere, dicht behaarte Ohren sowie besonders kräftige Pfoten mit stark entwickelten Ballen auszeichnete. Beide Typen spiegeln unterschiedliche funktionale Anpassungen an die ursprünglichen Arbeitsbedingungen wider und sind – innerhalb der heutigen Standardvorgaben – in ihren Grundzügen bis in die moderne Zucht hinein erkennbar. Der erste offiziell veröffentlichte Rassestandard datiert auf das Jahr 1909.[1]

Die Zuchtstätte Farningham

Mrs. Scotts führte noch 30 Jahre lang die Zucht später weiter ohne ihren Mann. Clara Kilburn-Scott war eine begabte Züchterin. Darüber hinaus stellte sie ihre Hunde aus, schrieb über die Rasse und richtete Samojeden im Ausstellungsring. Alle Champions und Preisträger in England und Amerika stammten aus ihrer Zuchtlinie. In der Zuchtstätte Farningham wurde stets größte Sorgfalt darauf verwendet, ausschließlich reinrassige Samojeden zu importieren und zu züchten. Nach ihrem Tod im Jahr 1944 führten ihre Töchter Joyce und Ivy die Zucht fort, und ihre Hunde bildeten die Grundlage für weitere Zwinger. Nach den Kilburns trugen unter anderem Mrs. Stuart Thynne, Mrs. Gray-Landsberg, Mrs. Marion Keyte-Perry (Arctic), Mrs. D.L. Perry (oder Kobe) und Mrs. D. Edwards dazu bei, die Rasse bekannt zu machen. Dies sind nur einige der Dutzenden von Züchtern, die den Samojeden im 20. Jahrhundert nicht nur in England berühmt machten, sondern deren Hunde sich in ganz Europa und Amerika verbreiteten. 4

Zuchtstätte Farningham: Ivy Kilburn-Scott
Tochter Ivy Kilburn Scott mit Fanhingham Samojeden

Der erste Samojede im AKC: Moustan of Argenteau

Der erste vom AKC registrierte Samojede war der russische Champion „Moustan of Argenteau“ im Jahr 1906. Moustan und drei weitere Samojeden („Sora“, „Martyska“ und „Siberia“) waren 1904 von Rosalie Mercy d’Argentau, Princesse de Montglyon, einer international bekannten Schönheit der Gesellschaft und Züchterin und Ausstellerin von Collies und Chow-Chows, nach Amerika gebracht worden.

Die Prinzessin erhielt Moustan als Geschenk von Großfürst Nikolaus, dem Bruder des Zaren, während eines Besuchs in St. Petersburg im Jahr 1902. Kurz nachdem die Prinzessin Samojeden eingeführt hatte, importierte Ada Van Heusen von der Greenacre-Zuchtstätte in Connecticut zwei Paare.

Moustan of Argenteau

Bis 1920 waren 40 Samojeden beim AKC registriert. Eine zweite Generation amerikanischer Samojedenliebhaber trug in den 1930er Jahren zur wachsenden Popularität der Rasse bei. Die Snowland-Zuchtstätte von Helen Harris in Pennsylvania und die White-Way-Zuchtstätte von Agnes Mason in Kalifornien brachten eine Reihe bedeutender Hunde hervor, darunter „Rex of White Way„.

Rex mit Lloyd Van Sickel
Rex of White Way

Der Begriff „Samojeden-Spitz“

Frühe deutsche Kynologen, darunter Strebel oder Ludwig Beckmann, bezeichneten den Samojeden aufgrund seiner äußeren Ähnlichkeit zum Deutschen Spitz zunächst als „Samojeden-Spitz“. Diese Einordnung zeigt, dass die Rasse erst mit der späteren Standardisierung klar abgegrenzt wurde.

Aus: The encyclopaedia of the kennel, Vero Shaw, 1913
„Erebus“ 1929

Der erste Samojede in Deutschland?

Historischen Überlieferungen zufolge soll Reichskanzler Otto von Bismarck im Jahr 1886 dem Prinzen von Wales, dem späteren König Edward VII., einen Hund geschenkt haben, der in zeitgenössischen Quellen lediglich als „russischer Hund“ beschrieben wird und rückblickend häufig als früher Vertreter des Samojeden interpretiert wird. Eine eindeutige kynologische Zuordnung dieses Tieres ist jedoch nicht gesichert. Doch können die Bilder diese Annahme verstärken. Unbestritten ist, dass Edwards Gemahlin, Königin Alexandra, eine begeisterte Samojedenliebhaberin war. Nachkommen ihrer Hunde finden sich in den Stammbäumen früher englischer und amerikanischer Zuchtlinien wieder und trugen maßgeblich zur internationalen Etablierung der Rasse bei.5

Eine Fotografie des Prinzen mit diesem Hund diente später als Vorlage für ein Gemälde, auf dem auch die Prinzessin von Wales dargestellt ist. Das Werk wurde anlässlich der Silberhochzeit des Paares im Jahr 1888 veröffentlicht. Sowohl der Prinz als auch die Prinzessin zeigten großes Interesse an der Rasse und hielten in den folgenden Jahren weitere Hunde. Besonders hervorzuheben ist „Jacko“, den Prinzessin Alexandra im Jahr 1899 von Major Frederick G. Jackson erhielt, dem Leiter der Jackson-Harmsworth-Expedition 6, welcher schon früher im Artikel erwähnt wird. Dieses Tier gehört zu den frühen, gut dokumentierten Importen von Samojeden nach Großbritannien.

Wann ist der Samojede der ideale Hund?

Die historischen Einsatzbereiche des Samojeden prägen bis heute sein Wesen und seine Bedürfnisse. Daraus ergeben sich klare Anforderungen an Haltung, Beschäftigung und Erziehung, die bei der Auswahl dieser Rasse berücksichtigt werden sollten.

Der Samojede ist der richtige Hund für Menschen, die viel Zeit, Bewegungsfreude und Konsequenz in der Erziehung mitbringen, da diese ursprüngliche nordische Arbeitshunderasse als Schlitten-, Hüte- und Wachhund gezüchtet wurde und entsprechend aktiv, intelligent und sozial ist. Er eignet sich besonders für sportliche Halter oder Familien, die gerne draußen sind und ihren Hund körperlich sowie geistig auslasten können, etwa durch lange Spaziergänge, Zughundesport oder Training, während er für reine Wohnungshaltung mit wenig Bewegung oder für Personen mit wenig Zeit ungeeignet ist. Aufgrund seines freundlichen, menschenbezogenen Wesens gilt der Samojede meist als familienfreundlich und verträglich, benötigt jedoch klare Regeln, regelmäßige Fellpflege wegen seines dichten, stark haarenden Fells sowie ausreichend Beschäftigung, um unerwünschtes Verhalten durch Unterforderung zu vermeiden; außerdem sollte berücksichtigt werden, dass er durch seine Zuchtgeschichte eine gewisse Eigenständigkeit besitzt und daher eine geduldige, konsequente Erziehung benötigt.

Großspitz oder Samojede? Erkennst du den Unterschied?

Samojede (ki generiert)
MerkmalSamojedeDeutscher Großspitz
Kultureller KontextNomadische SamojedenvölkerSesshafte bäuerliche und städtische Gesellschaft
UrsprungNord- und WestsibirienMitteleuropa (Deutschland, angrenzende Regionen)
Historische FunktionGebrauchshund: Zughund, zum Hüten, zum Bewachen und sozialer BegleiterWach- und Hofhund
Körperbau & ProportionenDer Körperbau ist eher rechteckig, kräftig, kompakt, muskulös, hochbeinigDer Körperbau ist eher quadratisch, kurzer Rücken, stämmig und trotzdem feingliedrig
KopfFang ist rund, „bärig“ und weichFang ist spitz, fein und trocken
AusdruckStets freundlich, rassetypisch ist das „Samy-Lächeln“Wach, keck und aufmerksam (musternd)
Felldoppellagig, dichte Unterwolle, plüschig und weich, gleichmäßige LängeDeckhaar harsch und abstehend, Unterwolle gemäßigt, deutlich abgesetzter Kragen, kurz an den Beinen
Sozialverhaltensozial, kooperativ, wachsameher reserviert bis misstrauisch, stark territorial
Körpergröße53-60 cm42-50 cm

Studie „Die Abstammung des modernen sibirischen Hundes“
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8488619/

Quellenangaben:

  1. Karte der aktuellen Verbreitung der samojedischen Sprachen Russlands. Quellen: Ethnologue Asher, RE & Moseley, C .J. (2007). Atlas der Sprachen der Welt. Khanina, O., Koryakov, Y., & Shluinsky, A. (2018) ↩︎
  2. Лайки И Охота С Ними, Ю́рий Алексе́евич Ливеро́вский, 1927 ↩︎
  3. Farthest North, Fridjof Nansen, Constable & Co, London 1897 ↩︎
  4. Historisch portret Samojeed, Lachende hond uit Siberië, Ria Hörter, ONZE HOND 5, 2023 ↩︎
  5. https://nationalpurebreddogday.com/first-samoyeds/ ↩︎
  6. Noble Hounds and Dear Companions, Sophie Gordon, London, 2007 ↩︎

Fotos:



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