In der Region zwischen Gera, Jena und Eisenberg, dem sogenannten Holzland, entstanden mehrere Hundehändler ab den 1850ern. Besonders prominent und erfolgreich platzierte sich Arthur Seyfarth mit seiner „Ersten deutschen Rassehunde-Zuchtanstalt und -Handlung in Bad Köstritz„, auch bekannt als „Grand établissement d‘ élevage des chiens de race noble“ – 1864 gegründet.


Er inserierte europaweit in vielen Zeitungen und fertigte in regelmäßigen Abständen Kataloge an, die kurze „Rassebeschreibungen“, zuerst Zeichnungen und später Fotos der Rassehunde und die Verkaufspreise enthielten. Diese waren eigentlich nichts anderes als Verkaufsprospekte und Preislisten und enthielten die jeweiligen Hunde, Preise und Bestellnummern, die in einem Bestellformular eingetragen werden konnten.

Die Hunde von Seyfarth gewannen Preise in ganz Europa. Die Kundschaft kam aus dem europäischen Adel, dem Militär und dem Bürgertum. Die Hunde wurden als Jagd-, Schutz-, Renommierhunde und Zimmerhunde angeboten. 1
Ort der Hundezucht-Anstalt und Hundehandels
In den Verkaufskatalogen von Arthur Seyfarth wird seine Villa im Kupferstich gezeigt. Die im klassizistischen Stil erbaute Villa in der heutigen Bahnhofstraße 51 in Bad Köstritz stammt vermutlich aus der Zeit um 1870. Eine geschwungene Treppe führt zum Haupteingang mit Veranda. Beim Betreten des Hauses kam man in einen prunkvollen saalartigen Raum, der einen Großteil des Erdgeschosses einnahm. Im Obergeschoss war ein repräsentativer Balkon mit schmiedeeisernen Verzierungen verbaut. Das Flachdach zierte ringsum eine eiserne Balustrade mit großen Masten, die die Initialen „AS“ (Arthur Seyfarth) zeigten. 2

Die Rassehunde-Zuchtanstalt in Köstritz befand sich auf einem 10.000 qm Grundstück. Die Zuchtanstalt galt damals als modernste Einrichtung in Europa. Die Villa steht heute noch ohne der aufwendigen Balustrade. Der Vorderbau wurde verändert. Das Grundstück mit direktem Anschluss an die Zuchtanstalt wird heute durch die Bahnhostraße voneinander getrennt.
Die Familie Seyfarth war in der Villa ansässig bis sie später durch den Mitinhaber „Müller“ übernommen wurde, der sich als „Hunde-Müller“ einen Namen machte – jedoch nie die Berühmtheit von Seyfarth erlangte.

Ein Blick in die Anstalt und Zwinger

Nichts geht über eine gute Vermarktung
Arthur Seyfarth hatte ein identisches Konzept wie das Unternehmen Cäsar & Minka aus Zahna: Eine große Zuchtanstalt an einem Bahnhof, ein zentraler Hundeverkauf, eine integrierte Hundedressur (Hundeschule) und Ausstellungen an einem Ort.
Neben den Hunden gab es passende Produkte zu erwerben und natürlich konnten die Hunde auch per Versand bestellt werden.
Und dafür durfte zahlreiche Werbung nicht fehlen:




Die Preise der Hunde lagen zwischen 25 bis 100 Mark in wilhelminischer Währung; hinzu kamen die Frachtkosten (z.B. London 35 Mark und New York 100 Mark). Ältere Hunde waren teurer als junge, da sie „erzogen“ bzw. „stubenrein“ waren oder Preise auf Ausstellungen erlangt hatten. Ebenso waren Rüden meist teurer als Hündinnen und es war möglich Hunde paarweise zu bestellen, so waren sie etwas günstiger als einzeln.
Ein Bestellschein aus dem Preiskatalog vom Nachfolger Arthur Seyfarths Müller & Co.

Aus dem Preiskatalog „Album edler Rassehunde“. Deutsche Ausgabe. Arthur Seyfarth Nachf., Müller & Co. Bad Köstritz – Ausgabe ca. zwischen 1920-1935

Zeitweise wurden bis zu 40 verschiedene Hunderassen angeboten: Insbesondere sehr große Molosser wie die sogenannten „Riesenberghunde“, Neufundländer, Bernhardiner und den Deutschen Colossal-Doggen. Daneben wurden Schäferhunde, Terrier, ausgebildete Vorstehhunde, Pudel, Malteser und auch Zwergspitze, Großspitze und Wolfsspitze zum Verkauf angeboten. In den ersten Ausgaben dieses Prospekts wurde der Großspitz als Löwenspitz bezeichnet und in den Farben schwarz, weiß, wolfsgrau, fuchsrot und braun verkauft. 3
Der Preis für einen Großspitz Welpen, männlich ca. 2 Monate betrug zur damaligen Zeit 30 Mark. Nach der Umrechnungstabelle der Deutschen Bundesbank würde das in der heutigen Zeit in etwa 240 Euro (aufgerundet) entsprechen.
Ein ca. 1 Jahre alter Großspitz Rüde konnte bis zu 1.592 Euro wert sein, eine Hündin im gleichen Alter nur 796 Euro. 4
Vollständiger Bestellkatalog (deutsche Ausgabe) des Nachfolgers Müller & Co. (ohne Preisangaben)
Passende Fachliteratur für den interessierten Hundekäufer
Im Selbstverlag erschien das Buch „Der Hund und seine Rassen“ 1898. Das Buch beschäftigt sich umfassend mit der Pflege und Haltung von Hunden und geht dann auf die einzelnen Rassen ein. Stolz werden auch hier die großen Berghunde (großer Berghund Barry) oder der St. Bernhardiner Berghund (Hündin Lea mit ihren Welpen) – die wahren Luxushunde dieser Zeit zu erst vorgestellt, welchen dann Neufundländer, Mastiff und andere Molosser folgen. Auch in diesem Werk wird der große Spitz als Löwenspitz präsentiert. Leider ohne Abbildung.
Die Kynothek gewährt Einblick in das Buch:

Quellenangaben
- www.wallenfels-pinscher.de
- heimatverein-bad-köstritz.de
- www.pohlitz-bk.de
- Schön, J., Rassekennzeichen der Hunde, 1895, 2. Auflage
- Seyfarth, Arthur, Der Hund und seine Rassen, 1891, 7. Auflage
- Seyfarth, Arthur, Katalog edler Rassehunde, 49. Auflage
- Seyfarth, Arthur, Catalogue de chiens de race nobles, ca. 1906
- Kynothek
- Album edler Rasse-Hunde. Deutsche Ausgabe, Selbstverlag, Arthur Seyfarth, 1905 ↩︎
- www.stadtbadkoestritz.de ↩︎
- Album edler Rasse-Hunde. Deutsche Ausgabe, Selbstverlag, Arthur Seyfarth, 1905 ↩︎
- www.bundesbank.de – Kaufkraftäquivalente historischer Beträge in deutschen Währungen ↩︎