Weitere Bezeichnungen: Dansk Spids, Dansk spets, Hvide Spids, Tanskanpystykorva, Altdänischer Spitz
Der Dänische Spitz ist eine seltene nordische Hunderasse aus Dänemark. Trotz seiner langen Bekanntheit innerhalb Dänemakrs, ist die Rasse international bisher nicht von der FCI anerkannt. Heute gilt der Dansk Spids als lebendiges Stück dänisches Kulturerbe und wird vor allem als Familien- und Hofhund geschätzt.

Die Geschichte des Dänischen Spitzes
Der Dänische Spitz gehört zu den alten dänischen Hunderassen und ist eine der fünf etablierten Hunderassen Dänemarks neben Broholmer, Dansk-Svensk Gårdshund, Gammel Dansk Hønsehund und Grønlandshund.
Seine Ursprünge sind nicht vollständig geklärt, man geht jedoch davon aus, dass er mit dem Deutschen Spitz und dem niederländischen Keeshond verwandt ist. Historische Funde und Bildquellen belegen, dass der Dänische Spitz bereits seit mehreren Jahrhunderten existiert. Skelette von spitzartigen Hunden wurden bei archäologischen Ausgrabungen in Dänemark gefunden. Außerdem taucht der Dänische Spitz regelmäßig auf Gemälden der letzten Jahrhunderte sowie auf Fotografien um 1900 auf.
Die älteste bekannte bildliche Darstellung zeigt ihn im Gemälde „Niels Ryberg mit seinem Sohn Johan Christian und seiner Schwiegertochter Engelke, geb. Falbe“ von Jens Juel aus dem Jahr 1797. Auf diesem Gemälde ist im Hintergrund ein Hund zu sehen, der dem heutigen Dänischen Spitz sehr ähnelt. Der damaligen Zeit und Mode entsprechend, hatte der Hund eine Löwenschur.

Im Gemälde aus 1832 mit den Namen „En gadescene fra hundedagene“ des Künstlers Wilhelm Marstrand (1810-1873), geboren in Copenhagen, befindet sich ebenfalls ein Dänischer Spitz auf dem Arm des Hundehalters.


Vom Begleithund zum Hofhund
Ursprünglich wurde der Dänische Spitz von der Oberschicht als Begleithund gehalten. Im 20. Jahrhundert verbreitete er sich jedoch zunehmend auch als Hofhund auf dem Land, insbesondere in Jütland.
Auf dänischen Bauernhöfen sprach man früher oft von drei wichtigen Hunden:
- dem Wachhund,
- dem Rattenfänger,
- und dem „Hund der Kinder“.
Dieser „Kinderhund“ war typischerweise der Dänische Spitz. Die Rasse galt als freundlich, zuverlässig und kinderlieb und war daher ein idealer Familienhund. Seine Blütezeit erlebte der Dänische Spitz in den 1930er-Jahren, als er auf dänischen Bauernhöfen relativ häufig anzutreffen war.




Viele Namen – eine Rasse
Im Laufe der Zeit war der Dänische Spitz unter vielen verschiedenen Namen bekannt, was zu großer Verwirrung führte. Ältere Bezeichnungen sind unter anderem:
- Wolfsspitz
- Grönlandspitz
- Samojedenspitz
- Weißer Spitz (Hvide Spids)
- Dänischer Weißspitz
Heute wird die Rasse offiziell als Dänischer Spitz (Dansk Spids) oder Altdänischer Spitz bezeichnet. Die frühere Bezeichnung „Weißer Spitz“ (Hvide Spids) wurde aufgegeben, da viele Hunde tatsächlich cremefarben oder biskuitfarben sind und nicht reinweiß.


Fast ausgestorben – die Rettung vom Dansk Spids
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Population stark zurück, und in den 1980er-Jahren stand der Dänische Spitz kurz vor dem Aussterben. 1988 begann der Dänische Kennel Club (DKK), möglichst viele verbliebene Hunde zu erfassen und zu registrieren. Es wurden rassetypische Hunde gesucht, bewertet und in ein vorläufiges Register aufgenommen. Auf Basis dieser Hunde wurde ein Rassestandard erstellt. Die Population war zu diesem Zeitpunkt sehr klein, und Inzuchtprobleme sowie Fruchtbarkeitsprobleme erschwerten den Wiederaufbau der Rasse erheblich.
Rekonstruktion und Einkreuzungen
Um die Rasse langfristig zu erhalten, wurden im Rahmen der Rekonstruktion teilweise andere Spitzrassen eingekreuzt, insbesondere Samojede, Deutscher Spitz und Japan-Spitz. Diese Einkreuzungen dienten dazu, genetische Vielfalt, Gesundheit und Fruchtbarkeit zu verbessern. Heute gilt die Rasse wieder als reproduktionsfähig und stabil, mit gesunden Würfen von teilweise 8–11 Welpen.


Kennel Club und Anerkennung
Der Dänische Spitz ist heute:
- vom Dänischen Kennel Club (DKK) anerkannt
- von der Nordischen Kennel Union (NKU) anerkannt
- nicht von der FCI international anerkannt
Die Rasse wird in Dänemark in DKK/NKU Gruppe 5 – Spitze und Hunde vom Urtyp geführt.
Seit 2013 ist der Dansk Spids auch in Finnland zugelassen. 2022 fiel dort der erste Wurf, und die Rasse wird inzwischen auch auf Ausstellungen in Finnland gezeigt.
Zwei Zuchtlinien
Es existieren heute zwei Zuchtlinien:
DKK-Linie
Zucht unter dem Dänischen Kennel Club mit kontrollierter Zuchtzulassung und Standardorientierung.
GDS-Linie (Vereinigung für den Altdänischen Spitz)
Parallel entstand eine unabhängige Zuchtorganisation, die Vereinigung für den Altdänischen Spitz (GDS), die eigene Stammbäume führt und besonderen Wert auf genetische Vielfalt und Gesundheit legt.
Besonderheiten der Zuchtlinien:
- GDS-Hunde sind oft etwas größer und kräftiger und haben häufig mehr Fell
- strenge Begrenzung des Inzuchtkoeffizienten (max. 7,25 % über 10 Generationen)
- Zuchtzulassung mit Gesundheitsuntersuchungen (HD A/B, Patella 0)
- Fokus auf Gesundheit und Wesen statt ausschließlich auf Aussehen
Beide Linien arbeiten züchterisch teilweise zusammen und Hunde aus der GDS-Zucht werden inzwischen auch in der DKK-Zucht eingesetzt.
Erscheinungsbild
Der Dänische Spitz ist ein mittelgroßer Spitzhund mit rechteckigem Körperbau und moderater Winkelung.
Widerristhöhe:
Rüden: 43–49 cm
Hündinnen: 39–46 cm
Gewicht:
ca. 10–20 kg
Fell:
- mittellang
- dichtes Unterfell
- Deckhaar flach anliegend, leicht rauh
- gut behaarte Rute
- längeres Fell unterhalb der Ohren
Farbe:
- Weiß
- Creme / Biskuit
- teilweise mit rosafarbenem Schimmer
- Die Farbe darf nicht hellbraun wirken.
Wesen und Charakter
Der Dänische Spitz gilt als freundlich, sozial, kinderlieb, anhänglich, neugierig, wachsam, leicht bellfreudig, lernfähig und anpassungsfähig.
Er ist ein typischer Familienhund und möchte eng mit seinen Menschen zusammenleben. Obwohl er wetterfest ist, eignet er sich nicht für eine reine Außenhaltung, da er sehr menschenbezogen ist. Fremden gegenüber kann er zunächst zurückhaltend und reserviert sein, soll dabei aber nicht scheu sein. Der Jagdtrieb ist häufig schwach ausgeprägt, natürlich gibt es immer Ausnahmen.

Der Dänische Spitz heute
Heute ist der Dänische Spitz weiterhin eine seltene Rasse. Zuchtvereine und Liebhaber arbeiten aktiv daran, die Population zu erhalten und langfristig die internationale Anerkennung durch die FCI zu erreichen.
Mehrmals jährlich finden Zuchtzulassungsveranstaltungen statt, bei denen Hunde auf Gesundheit, Wesen und rassetypisches Erscheinungsbild geprüft werden.
Die Bekanntheit der Rasse steigt langsam durch Ausstellungen, Zuchtprogramme und internationale Zusammenarbeit.

Unterschiede: Dansk Spids vs. Deutscher Spitz


Auf dem ersten Blick ist die Verwandtschaft zwischen Dänischen Spitz und Deutschen Spitz nicht von der Hand zu weisen. Wie bei der Entwicklung des Japan-Spitzes oder dem American Eskimo Dog, so hat sich die Ursprungsrasse mit der Zeit der Umgebung und den Anforderungen nach angepasst. Der Dansk Spids sollte kaum Schärfe besitzen und hat sich damit deutlich stärker vom Wachhund zum Begleithund entwickelt.
Optisch ist der Dänische Verwandte genauso groß wie der Deutsche Großspitz, doch hat er ein deutlich kürzeres Haarkleid und damit auch weniger Mähne. Der Körperbrau ist nicht quadratisch, vielmehr rechteckig. Für den Dänischen Kennel Club gilt die Vorgabe: Der Dänische Spitz darf weder im Aussehen noch in der Fellstruktur oder Fellmenge einem Samojeden ähneln oder mit diesem verwechselt werden.
Die Proportionen des Kopfes sind dem Deutschen Spitz sehr ähnlich: Zu viel Wölbung der Stirn wird nicht gern gesehen und die Länge des Fangs macht die Hälfte der Länges des Kopfes aus.
Die Augen beim Dansk Spids sollen ruhig, aber einen wachen Ausdruck haben. Sie sollen dunkelbraun sein und oval geformt, aber eher rund als mandelförmig sein und nicht hervorstehen. Also eher runder als wir sie vom Großspitz kennen.
Wer sich für sämtliche Details aus dem Standard interessiert, kann das umfangreiche Zucht-Kompendium (The Danish Kennel Club) hier in englischer Sprache einsehen:
Quellenangaben:
- Dansk Kennel Club (DKK)
- Selskabet for Dansk Spids
- Artikel in Hunden Nr. 5, Ausgabe Mai 2003, herausgegeben vom Dansk Kennel Klub (DKK), Mitwirkender: Leif Lehmann Jørgensen
- https://da.wikipedia.org/wiki/Dansk_spids
- https://fi.wikipedia.org/wiki/Tanskanpystykorva
- https://en.wikipedia.org/wiki/A_Street_Scene_in_the_Dog_Days
Mit freundlicher Unterstützung durch:
Morten Christensen https://klintespidserne.dk/den-gammle-danske-spids/
John A. Bente, Keldslykkegaard Hobbykennel, https://keldslykkegaard.com/
Susanne Ebbe, Selskabet for Dansk Spids www.danskspids.dk



